An die Mitglieder der Jugendkammer, haupt- und ehrenamtliche Aktive in der Arbeit mit Kindern und Jugendliche in Bereich der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg, sowie die Verbände  

Liebe Mitglieder der Jugendkammer, Verbände, ehren- und hauptamtlich Aktive in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im Bereich der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg!

Am 19.11.2020 entschied die 49. Synode der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg, auf ihrer 2. Tagung, in einem Beschluss über das Blockhaus Ahlhorn. Zunächst möchte ich mich an dieser Stelle entschuldigen, dafür dass es von mir als Sprecher der Jugendkammer im Vorhinein keine Stellungnahme bezgl. der Beschlussvorlage gab. Dies bedauere ich im Nachgang sehr und hoffe aus diesem Fehler gelernt zu haben. Ich möchte mich nun zumindest im Nachgang dazu zu Wort melden. 

Uns allen ist das Ergebnis der Verhandlungen bekannt. Sollte sich kein neuer Träger oder eine Kooperation für das Blockhaus finden, wird es geschlossen. Ein unwiederbringlicher Ort ist dann aufgegeben. Ich halte diese Entscheidung für eine Falsche. Sowohl emotionale als auch sachliche Gründe habe ich dafür. Wie eine Mehrzahl von uns Aktiven in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen auch. 

Es schmerzt mich. 

Einen Ort, der der Kirche von den englischen Besatzern übergeben worden ist. In der Zeit der Nationalsozialisten war es der Rückzugsort des GAU Leiters Carl Röver und ein Aufenthaltsort für männliche Arier Jungen. Die Kirche sollte diesen Ort zu einem Ort der Demokratie machen. Über 70 Jahre hat sie dies dort ausgeübt. Nun ist es wohl vorbei. Ich hoffe die Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg nimmt diesen Auftrag von diesem Ort mit und lebt ihn weiterhin bewusst aus. 

In den Sozialen Medien konnte man viel Erschütterung und Trauer sehen. Verständlich. Für viele von uns wird ein Ort aufgegeben, der uns wichtig ist, der ein zentraler Ort für viele von uns ist. Ein zentraler Ort für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. 

Trauer ist wichtig, darf und muss zum Ausdruck gebracht werden können.  Ja, es ist ein gewisser Schlag für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Ja, es wurde wieder einmal eine Entscheidung für Kinder und Jugendliche getroffen, obwohl wir unsere Position erneut sehr deutlich gemacht haben und das Gegenteilige besagte. 

Ein Antrag auf Vertagung wurde abgelehnt und dieser Beschluss wurde bereits auf der 2. statt auf der 3. Tagung der 49. Synode der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg getroffen. Geplant war, von der 48. Synode der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg, eine Entscheidung für die 3. Tagung der 49. Synode. Für manche Verantwortliche in der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg war dies scheinbar aber nicht möglich, da es einen Anstieg der Zuschüsse, bereits für 2020, geben muss. Die 49. Synode der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg sollte also nun bereits auf ihrer 2. Tagung die Entscheidung treffen. Für viele Menschen unverständlich, denn es war zum einen die erste digitale Synodentagung und zum anderen eine zur Hälfte neu besetzte Synode, deren neuen Synodalen sicherlich eine gute und intensivere Einarbeitung in dieses Thema gut getan hätte. So der Blick von uns Aktiven in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.

Ich möchte mich bedanken, bei allen Menschen, die sich öffentlich für das Blockhaus ausgesprochen haben, beispielsweise bei der Aktion #RettetUnserBlockhaus oder auch ihre Unterschrift bei der Petition gegeben haben.

Auch möchte ich mich bei den Synodalen bedanken, die sich für das Blockhaus auf der Synode eingesetzt haben.

Leider hat all dies nicht ausgereicht. 

Wichtig in meinen Augen ist nun, dass wir als Aktive in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen aufpassen, dass nicht kommuniziert wird, dass die Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg ihre Arbeit mit Kindern und Jugendlichen aufgegeben hat oder aufgeben möchte. Ich glaube nicht, dass das die Intention der Synode war, als sich die Mehrzahl der Synodalen für die Schließung des Blockhauses ausgesprochen hat. Sie haben bei ihrer Entscheidung das Blockhaus im Blick gehabt und in keinster Weise die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen als Gesamtes im Bereich der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg. 

Nun heißt es für uns, unsere Trauer und unseren Frust über diese Entscheidung zu überwinden. Wir sollten weiterhin aktive Partizipation einfordern und Möglichkeiten der Partizipation nutzen, um zu zeigen, dass wir da sind. Das wir bleiben, auch wenn die Synode nicht so entscheidet wie wir es uns wünschen. Ja, ich weiß und mir ist es sehr wohl bewusst, dass es bei der zweiten Entscheidung, in relativ kurzer Zeit, die das Gegenteilige unserer Äußerungen beschließt, schwierig ist. Aber, wir engagieren uns in der Kirche nicht wegen der Strukturen. Wir engagieren uns in der Kirche aufgrund unserer christlichen Überzeugung. Wir engagieren uns aufgrund unseres Glaubens in der Kirche und deren Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Auch wenn wir uns eine andere Entscheidung gewünscht hätten, lasst uns nach vorne schauen! Lasst uns die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen weiterentwickeln, weiter nach vorne treiben und den Verantwortungsträger*innen in der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg zeigen: Wir sind da! Lasst uns den Verantwortungsträger*innen in der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg zeigen dass wir nicht tschüss sagen, sondern lasst uns zeigen, wie wichtig uns unser Glaube und das Ausleben des christlichen Glaubens, auch bei uns jungen Menschen, ist. Lasst uns nun nicht anfangen die anderen Altersgruppen gegeneinander aufzuhetzen, lasst uns gemeinsam mit den anderen Altersgruppen in unserer Kirche arbeiten und voneinander lernen. Lasst uns gemeinsam die Kirche weiterentwickeln und für die Zukunft rüsten. Ich wünsche vor allem den Mitarbeiter*innen des Blockhauses Ahlhorn alles Gute und Gottes Segen für die Zukunft. Auf das die Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg ihre Verantwortung gegenüber den Mitarbeiter*innen des Blockhauses ernst nimmt und sie nicht allein im Regen stehen lässt.

Fabian Dargel

Sprecher der Jugendkammer